Zahn um Zahn (Film)

Zahn um Zahn ist ein deutscher Kinofilm von Hajo Gies aus dem Jahr 1985, der auf der bekannten Fernsehreihe Tatort beruht. Die Hauptrolle spielt Götz George als Kriminalhauptkommissar Horst Schimanski. Der Titelsong Faust auf Faust wurde von der Klaus Lage Band gesungen. Drehorte waren die Städte Duisburg und Marseille.

Während einer Demonstration in Duisburg wird Alf Krüger mit seiner Familie in der eigenen Wohnung erschossen aufgefunden. Die Polizei geht zunächst von einem Familiendrama mit erweitertem Suizid aus; auffallend ist jedoch, dass Krügers jüngstes Kind überlebt hat, weil es sich unter dem Wohnzimmertisch versteckt hat.

Krüger war zehn Tage vor seinem Tod als Buchhalter von den Grassmann-Werken in Duisburg fristlos entlassen worden; er soll angeblich 80.000 DM unterschlagen haben. Kriminalhauptkommissar Horst Schimanski, der den Toten aus der Schulzeit kannte, fährt auf eigene Faust zu Grassmann, um ihn zu verhören. Es kommt zu einem Streit, in dessen Verlauf Schimanski handgreiflich wird und das Haus wütend verlässt. Daraufhin wird er von Kriminaloberrat Königsberg vom Dienst suspendiert.

Zur selben Zeit ist die hübsche Journalistin Ulli, die Schimanski nicht unbekannt ist, im selben Fall tätig. Sie verschafft sich unerlaubt Zutritt zu Krügers Wohnung, um nach Anhaltspunkten für dessen Selbstmord zu suchen. Als sie glaubt, fündig geworden zu sein, und einige Akten aus der Wohnung mitnehmen will, begegnet ihr Schimanski. Dieser fordert sie auf, sich aus dem Fall ’rauszuhalten; später stellt sich heraus, dass Ulli fast immer einen Schritt schneller ist als er. Auch Schimanski bekommt Einsicht in Krügers Akten, in denen eine Firma Delattre aus Marseille auftaucht.

Schimanski will auf eigene Faust nach Marseille reisen, um eine Kontaktperson namens Kremer zu treffen, die ihm wertvolle Informationen über eine angebliche Zusammenarbeit zwischen den Grassmann- und den Delattre-Werken geben soll. Bei der Ausreisekontrolle am Flughafen wird er von Thanner festgenommen. Er schlägt diesen jedoch k.o. und steigt in das bereitstehende Flugzeug. Bevor Schimanski in Marseille an die Informationen herankommt, findet er den Kontaktmann ermordet in dessen Hotelzimmer auf. Unmittelbar darauf trifft die französische Polizei ein; der suspendierte Schimanski ist Hauptverdächtiger. Er wird von der Polizei zunächst wieder auf freien Fuß gesetzt, darf jedoch Marseille nicht verlassen, was seine Ermittlungen erheblich beeinträchtigt. Kurze Zeit später begegnet er Ulli, die ebenfalls nach Marseille gereist ist, um ihre Recherchen dort fortzuführen. Sie fahren gemeinsam zu den Delattre-Werken und nehmen den Direktor kurzerhand gewaltsam zu einer „gemütlichen Fahrt am Mittelmeer entlang“ mit. Sie finden heraus, dass der Direktor Besuch aus Duisburg hatte, nämlich von Alf Krüger. Im Laufe des Gesprächs erfahren sie eine der Adressen von Frederic Delattre. Sie wollen ihn persönlich kennenlernen; Ulli fährt jedoch alleine hin und lässt Schimanski zurück, dieser kommt zu Fuß nach. An der Pforte der „Villa Delattre“ hat er eine unangenehme Begegnung; er trifft auf Pierre Hacker, den Hausverwalter, den er, scheinbar zufällig im Flugzeug nach Marseille bereits kennengelernt hat. Gerade als er ihn begrüßen will, spürt er einen dumpfen Schlag und wird ohnmächtig.

Er kommt wieder zu sich, als er in einer brennenden Scheune liegt. Neben ihm liegt Ulli. Es gelingt ihm, sich und Ulli aus der Scheune zu befreien. Ulli zeigt sich dafür erkenntlich, dass Schimanski ihr das Leben gerettet hat, und die beiden verlieben sich ineinander. Jedoch werden sie von vier Franzosen verfolgt, die es auf Schimanski abgesehen haben. Als sie in einer Bar sitzen, bricht ein Streit aus. Ulli kann fliehen, Schimanski muss es jedoch mit den vier Franzosen aufnehmen, wobei einer von ihnen zu Tode kommt. Schimanski versucht zu fliehen, kommt jedoch nicht weit und wird wieder von der Polizei gefasst.

Auf der Wache erfährt er, dass der Tote das Abzeichen einer kriminellen und einflussreichen Gruppe von Ex-Fremdenlegionären trägt, deren Chef Delattre persönlich ist. Durch seine unbedarfte Einmischung habe Schimanski jahrelange verdeckte Ermittlungsarbeit innerhalb dieser Gruppe zunichtegemacht. Die erboste Polizei lässt ihn abermals frei, weist ihn aber an, noch am selben Tag Marseille zu verlassen. Vor dem Polizeigebäude wartet Ulli auf ihn, gemeinsam fahren sie noch einmal zur Villa Delattre. Sie können sich Zutritt zur Villa verschaffen, in der sie Fotos und Verträge finden. Ein Foto interessiert Schimanski besonders: Frederic Delattre ist darauf zwar nur von hinten in einer Uniform zu sehen, doch ihm gegenüber steht Alf Krüger senior, der Vater des toten jungen Alf Krüger! Schimanski ist geschockt. Ulli hingegen entwendet einen Vertrag, in dem dokumentiert ist, dass die Grassmann-Werke schon längst an Delattre verkauft sind und das Werk in Duisburg geschlossen werden soll. Die beiden erfahren, dass Alf Krüger genau dies erfahren hatte und deswegen sterben musste, weil er damit drohte, an die Öffentlichkeit zu gehen. Als sie die Villa verlassen wollen, werden sie von Pierre Hacker überrascht, der mit einem Gewehr auf sie schießt. Sie können ihn überwältigen und überführen ihn im Kofferraum eines Leihwagens nach Duisburg. Eine Gegenüberstellung mit Krüger senior und dem hinterbliebenen Mädchen spricht eine eindeutige Sprache: Hacker ist der Mörder von Alf Krüger und seiner Familie, sein Auftraggeber war Delattre. Der mit seiner Pistole bewaffnete Schimanski und Hacker gehen aus dem Haus und zu Fuß über die dunkle, menschenleere Straße – Ziel: unbekannt. Plötzlich hört man einen lauten Knall und Hacker bricht zusammen, eine Kugel im Kopf. Noch bevor Schimanski fassen kann, was passiert ist, fährt ein Polizeiwagen vor. Die Beamten wollen ihn verhaften. Er kann jedoch erneut fliehen.

Am nächsten Morgen begegnet er Ulli wieder, die ihm mitteilt, dass sie einen Interviewtermin mit Delattre habe – Grassmann habe ihn vermittelt. Schimanski hat einen Verdacht und warnt sie eindringlich, nicht zu Grassmanns Zweitanwesen zu fahren. Entgegen seiner Bitte tut sie es doch und Schimanski fährt ihr nach. Ulli klopft bei Grassmann an die Tür; als jedoch auch nach wiederholtem Klopfen niemand öffnet, zieht sie die Tür auf. Schimanski, der einen Augenblick später am Ort des Geschehens eintrifft, hört den lauten Knall einer Sprengstoffexplosion. Ulli fliegt ein paar Meter weit und schlägt mit dem Kopf auf den Boden. Schimanski eilt sofort zu ihr, schwer verletzt stirbt sie jedoch in seinen Armen.

Verzweifelt läuft er durch die Trümmer des Hauses und sieht sich um. Er findet die Fotoaufnahme aus der Villa Delattre, aufgenommen aus einer anderen Perspektive; der Mann in Uniform gegenüber von Krüger senior ist Grassmann. Voller Hass fasst er den Entschluss, zu Grassmann nach Hause zu fahren und die Sache zu Ende zu bringen. Er stört eine Festlichkeit und tritt in blutverschmierter Jacke dem elegant gekleideten Grassmann gegenüber. Als dieser zugibt, Delattre zu sein, den Mord an Alf Krüger und seiner Familie angeordnet und auch Ulli umgebracht zu haben, zieht Schimanski seine Waffe und richtet sie auf Grassmanns Kopf. Im nächsten Moment fällt ein Schuss, Grassmann bricht mit einer Kopfwunde zusammen. Doch es war nicht Schimanski, der geschossen hat. Als letzten Beweis, dass er sich nicht getäuscht hat, reißt Schimanski das Hemd des sterbenden Grassmann auf; man sieht das Abzeichen der Legion, das er auch bei Hacker und Kremer gesehen hat.

In der letzten Szene wandern Schimanski und Krüger senior am Rhein entlang und unterhalten sich über Krügers alten Karabiner aus seiner Zeit bei der Fremdenlegion. Es wird deutlich, dass Krüger Grassmann und Hacker damit erschossen hat und dass Schimanski über diese Taten Stillschweigen bewahren wird.

Zahn um Zahn wurde von der Bavaria Atelier GmbH für den WDR produziert. Es handelt sich um die 200. Folge der Tatort-Reihe und den ersten ARD-Krimi, der speziell fürs Kino hergestellt wurde. Der Film wurde erst am 27. Dezember 1987 als offizielle Tatort-Folge im Fernsehen gezeigt. 1987 folgte der zweite Tatort-Kinofilm Zabou. Hajo Gies führte bei zwölf der 29 anderen Tatorte mit dem Duo Schimanski/Thanner Regie.

Der Film musste nachträglich gekürzt werden, da es zu einem Schleichwerbeskandal gekommen war. In auffälliger Weise wurden in mehreren Szenen Hustenbonbons der Marke Paroli platziert, für die George (als Schimanski) seinerzeit Werbung machte.

Der Song Faust auf Faust erreichte Ende 1985 Platz 10 der deutschen Charts. Die Schauspieler Charles Brauer und Martin Lüttge spielten später selbst Tatort-Kommissare.

Im Gegensatz zum zweiten Kinofilm Zabou besitzt Zahn um Zahn keinen eigenständigen Soundtrack. Ein Zusammenschnitt der Filmmusik von Zahn um Zahn in 11-minütiger Länge findet sich auf der B-Seite der Klaus Lage Band 12″-Maxi-Single „Stille Wasser“ von 1985. Auf der gleichnamigen 7″ Single ist der Titel „Universum“ auf der B-Seite.

„Überzeugender, rasant inszenierter Actionfilm mit guten Darstellern und Sinn für Atmosphäre und Witz. Insgesamt solide Unterhaltung ohne sonderlichen Tiefgang.“

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